Marien-Kasel

Das mit leuchtend blauem Unterstoff versehene Gewand ist ein besonders schönes Beispiel für ein liturgisches Parament und steht stellvertretend für den reichen Bestand an Textilien der Stiftskammer Freckenhorst.

Der Oberstoff besteht aus Seide, das mit einem feinen Muster aus Pflanzenranken und stilisierten Türkenbundlilien versehen ist. Darauf sind wiederum zahlreiche farbige Stickereien aufgebracht, die Aurikel und Glockenblumen darstellen. Die Nähte auf der Vorder- und Rückseite zeigen, dass der Oberstoff aus mehreren Stoffstücken zusammengesetzt worden ist. Für die Gewandbreite werden zwei Stoffbahnen benötigt, da der wiederverwendete Stoff nur eine Breite von ca. 54 cm aufweist. Bei der Verwendung französischer Seiden werden sie dann spiegelbildlich zueinander vernäht, wie auch an den farbigen Stickereien hier zu erkennen ist.

Die Vorderseite ist mit einem breiten, beigen Stoffstreifen belegt, dessen schlingenartig verwobene Oberfläche sich effektvoll von der glatten blauen Seide abhebt. Er ist mit einer breiten, goldenen Borte in Klöppeltechnik eingefasst. Darauf sind weitere kunstvolle Stickereien angebracht, die unter anderem Pfingstrosen und grüne Blätter mit schwarzer Musterung zeigen. Auf der Rückseite ist der Stoffstreifen durch ein Kreuz in lateinischer Form ersetzt worden.

Das hier gezeigte liturgische Gewand ist eine sogenannte Kasel. Diese wird bei der Heiligen Messe vom Priester als Obergewand über den anderen Gewändern getragen und ist Teil eines ganzen Ornats. Der blaue, edle Seidenstoff und die verwendeten Motive, wie Pfingstrosen und Glockenblumen, verweisen auf den liturgischen Anlass, zu denen die Kasel getragen wird: Zu den hohen Marien-Festtagen.

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