Das imposante weiße Tuch, das im Eingangsbereich der Stiftskammer Freckenhorst hängt, nimmt nahezu die gesamte Breite des Gebäudes ein. Es zeigt fünfzehn Felder mit unterschiedlichen Bildmotiven, die von weißen Leinenstreifen gerahmt werden. An den Kreuzungspunkten und Enden dieser Leinenstreifen befinden sich zusätzlich sechzehn unterschiedliche Wappen mit Namenszugehörigkeit und in den vier Ecken die Darstellung der vier Evangelisten.
Das größte Bild in der Mitte zeigt die Kreuzigung Christi. Die restlichen vierzehn Bildfelder zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte des Gottessohnes. Diese sind nicht zufällig gewählt, denn das hier gezeigte Tuch ist ein sogenanntes Hungertuch oder Fastentuch. Ein solches wird in der Fastenzeit im Chor vor dem Altar aufgehängt.
In Westfalen hat sich eine ganze Gruppe solcher Hungertücher erhalten, die figürliche Darstellungen enthalten und in Filetstickerei gearbeitet sind. Sie befinden sich noch heute in Everswinkel, Alverskirchen, Telgte und Vreden. Die Hungertücher in Vreden und Freckenhorst sind eine Stiftung der Äbtissin Agnes von Limburg-Bronkhorst-Styrum. Sie stiftet zunächst im Jahr 1619 das Fastentuch in Vreden und neun Jahre später das in Freckenhorst.
Neben dem Wappen der Stifterin sind dort auch die Wappen der Kanonissinnen verewigt, die im Jahr 1628 im Stift Freckenhorst leben. Aufgrund des hohen Alters und seines Zustandes ist im Jahr 1929 ein neues Hungertuch für Freckenhorst in Auftrag gegeben worden, das auch heute noch zur Fastenzeit in der Kirche aufgehängt wird.
