Reliquienkreuz

Das im diffusen Licht der Stiftskammer weißlich schimmernde Kreuz entfaltet eine beinahe mystische Wirkung. Dieser Effekt entsteht durch das verwendete Oberflächenmaterial: Die gesamte Vorderseite des hölzernen Kreuzes ist mit rechteckigen Perlmuttplatten belegt. An den Enden der Kreuzarme und auf dem ausladenden Sockel folgen sie den geschweift angelegten Verzierungen.

Verschiedene Gravurtechniken lassen auf der Oberfläche der Perlmuttplättchen Tierköpfe, Blumen und menschliche Darstellungen erkennen. An drei Enden der Kreuzarme sowie in der Mitte des nach unten verlängertem Kreuz befinden sich im Uhrzeigersinn stichartig angelegte Gravuren der vier Evangelisten Johannes, Matthäus, Lukas und Markus. Die unterhalb von Lukas positionierte Gottesmutter Maria hingegen ist als flaches Relief ausgearbeitet. Ihr von einem Schwert durchbohrtes Herz ist Sinnbild ihres Schmerzes, den sie durch den Kreuzestod ihres Sohnes erleidet. Auf dem Sockel findet sich schließlich noch eine Darstellung des Hl. Franziskus.

Die ursprüngliche Funktion des Perlmuttbelegten Kreuzes erschließt sich aus den kleinen runden Löchern, die auf den Kreuzarmen über und zwischen den Evangelisten eingetieft sind. Ihre Umschrift verweist auf die 14 Kreuzwegstationen, die Christus vor seinem Tod erlitten hat. In jedes dieser Löcher ist eine Reliquie eingelassen, die durch eine kleine Glasscheibe geschützt wird.

Das Kreuz ist vermutlich Teil einer Kreuzwegandacht, die an Karfreitag dazu einlädt, in Gebeten und liturgischen Handlungen das Leiden Christi nachzuvollziehen.

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DSC8083-PanoramaJohannes
DSC8083-PanoramaMatthaus
DSC8083-PanoramaLukas
DSC8083-PanoramaMarkus
DSC8083-PanoramaReliquienoculi