Es gibt Objekte in der Stiftskammer, die neben den silbern und golden glänzenden Altargeräten eher unscheinbar wirken. Dazu gehört auch das an einer der langen Außenwände angebrachte, hochrechteckige Brett.
Auf der Schauseite ist es mit einer langen senkrechten, einer kürzeren waagerechten und einer schrägen nutartigen Vertiefung versehen. Obenauf thront ein Löwe, der seinen gesamten Kopf um 180 Grad zu seinem Hinterleib wendet und seine lange Zunge herausstreckt.
Die Art, wie der Bildschnitzer die Mähne des Löwen bearbeitet hat sowie die gesamte äußere Gestalt des Tieres, deuten auf seine Entstehung in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die nutenartigen Vertiefungen hingegen geben einen Hinweis auf die ursprüngliche Nutzung dieses Holzbretts: Als Außenwange eines Chorgestühls mit Buchablage unten und schrägem Lesepult oben.
Ein erstes Chorgestühl soll es in der Freckenhorster Stiftskirche bereits im 13. Jahrhundert gegeben haben. Dieses wurde um 1560 dann erneuert, wie die unterhalb eines Sitzes eingeritzte Jahreszahl belegt. Die Außenwange mit der Löwendarstellung könnte also Teil des ersten Chorgestühls gewesen sein.
